Jahresbericht 2025

POLITISCHE SITUATION IM LAND

Weiterhin bestimmen bewaffnete Banden den Alltag in Haiti, was für die Bevölkerung Armut, Hunger und politisches Chaos bedeuten.

Eigentlich sollte der im April 2024 etablierte Übergangspräsidialrat die Sicherheitslage stabilisieren und den Weg zu Wahlen ebnen. Sein Mandat endet aber am 7. Februar 2026, ohne dieses Ziel erreicht zu haben. Seit November 2024 ist der Geschäftsmann Fils-Aimé Ministerpräsident. Er steht jedoch zunehmend unter Druck. Eine Mehrheit des siebenköpfigen haitianischen Übergangs-präsidialrats stimmte für die Entlassung des Ministerpräsidenten. Die entsprechende Resolution muss allerdings noch im Amtsblatt veröffentlicht werden, damit sie rechtskräftig wird. 

Ein dominierendes Thema im Jahr 2025 war die massive Gewalt durch die bewaffneten Banden, die grosse Teile von Port-au-Prince und anderer Regionen kontrollieren. Die hohe Mordrate (über 8 000 Tötungen zwischen Januar und November 2025) und die Zunahme von Entführungen, sexueller Gewalt und systematischer Rekrutierung von Kindern verdeutlichten das Ausmass der Sicherheitskrise.

Die Zusammensetzung der Opfer von sexueller Gewalt hat sich verändert. Vor 2022 waren etwa die Hälfte der behandelten Fälle Personen unter 18 Jahren; heute sind es nur noch 24 %. Gleichzeitig ist laut Ärzte ohne Grenzen (MSF) die Zahl der Fälle in der Altersgruppe von 50 bis 80 Jahren um das Siebenfache gestiegen.

Die von Kenia geführte Multinationale Sicherheitsunterstützungsmission (MSS) konnte die sich rapide verschlechternde Sicherheitslage in Haiti nicht stabilisieren. Daher beschloss der UN‑Sicherheitsrat am 30. September, die MSS durch eine neue Truppe namens GSF zu ersetzen.

Die GSF soll langfristig rund 5.500 Polizei- und Militärkräfte umfassen, arbeitet aber derzeit noch hauptsächlich mit den etwa 1.000 MSS‑Kräften, die bereits 2024/25 entsandt wurden. Ab April 2026 soll die Truppe sukzessive aufgestockt werden.

Immerhin darf die fussballbegeisterte Nation mit ihren 12 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern diesen Sommer die Daumen für ihr Nationalteam drücken. Die Auswahl hat die WM-Qualifikation geschafft. Da die Lage im Land zu unsicher ist, hat das Team seine Heimspiele in Curaçao ausgetragen.

SITUATION IN OUANAMINTHE

geschrieben von Endriche Previlon, übersetzt aus dem Französischen von Karin Stucki

New Life Haiti Foundation ist in Ouanaminthe tätig, welches der Hauptort des Departementes Nordost ist und an der Grenze zur Dominikanischen Republik liegt. 

Jeden Montag und Freitag findet ein Markt statt, bei dem die Grenzen geöffnet werden und massenhaft Leute auf die dominikanische Seite strömen, um Waren zu kaufen oder verkaufen. An diesen Tagen kommen sehr viele Menschen und Fahrzeuge in die Stadt.

In den letzten Jahren hat sich die Zuwanderung nach Ouanaminthe verstärkt, weil bewaffnete Banden in der Hauptstadtregion und in einigen anderen Städten viel Gewalt ausüben. Viele Menschen fliehen deshalb aus diesen gefährlichen Gebieten.

Dadurch hat sich Ouanaminthe zu einer Art „Stadt der Migranten“ entwickelt: Viele suchen hier Schutz und eine neue Unterkunft. Das führt dazu, dass die Bevölkerung wächst und die Mietpreise steigen. Die Kosten für den täglichen Bedarf sind ebenfalls gestiegen.

Was die Sicherheit betrifft, ist die Lage insgesamt noch relativ ruhig, abgesehen von einigen vereinzelten Schüssen, die man besonders abends hören kann.

AKTUELLES UND SCHULBILDUNG

Wir finanzieren nach wie vor die Schulbildung der momentan 29 Kinder in unserem Projekt. 

Ein Junge ist im Jahr 2025 aus dem Projekt ausgeschieden, weil er zunehmend in der Schule fehlte, und es vorzog mit kleinen Arbeiten, Geld zu verdienen. Obwohl wir sehr zurückhaltend bei der Aufnahme von neuen Kindern sind, haben wir den frei gewordenen Platz einem Jungen gegeben, der bereits in losem Kontakt mit unserer Foundation stand und in der Vergangenheit ab und zu an unserem Sommercamp teilgenommen hatte. Seine Familie kam im Herbst 2024 auf uns zu, da sie es nicht schaffte, die Schulgebühr für das anstehende Schuljahr aufzutreiben. Damit der Knabe seine Schulausbildung nicht unterbrechen musste, haben wir zugestimmt, die Kosten für seinen Schulbesuch für ein Jahr zu bezahlen. Die finanzielle Situation der Familie hatte sich im Herbst 2025 nicht verbessert, worauf wir uns dazu entschieden haben, Micaël definitiv ins Projekt aufzunehmen. Er besucht im laufenden Schuljahr die 8. Klasse.

Endriche, unser Mann vor Ort, wurde zudem im Falle eines Mädchens kontaktiert, welches wir ebenfalls in unser Projekt integriert haben. Dieu-Love ist mit ihren acht Jahren nun unser jüngstes Kind und sie besucht die 3. Klasse.

Dieu-Love hat bereits als Baby im Alter von einem Monat ihre Mutter verloren. Zuerst wollte sich niemand um das Kind kümmern und der Grossvater sah keine Hoffnung für dessen Überleben. Eine verwitwete Grosstante hat Dieu-Love schliesslich bei sich aufgenommen und kümmert sich so gut es geht um sie. Damit die Grosstante finanziell entlastet wird, bezahlt unsere Foundation fortan die Schulgebühr, das Schulmaterial, die Schuluniform und die Schuhe für das Kind.

Fast alle Schülerinnen und Schüler haben das Schuljahr bestanden und konnten im September in die nächste Klasse übertreten. Für einen Schüler und zwei Schülerinnen der 7. Klasse und einen Schüler der 8. Klasse hiess es jedoch die Repetition des vergangenen Schuljahres anzutreten, da sie die geforderten Leistungen nicht erbringen konnten.

Es befinden sich mittlerweile noch zwei Kinder in der Primarstufe in der Schule «Notre Dame de l’Assomption» und ein Kind in der Primarstufe «Institution l’enfant Jésus de Ouanaminthe». Ihre Schulgebühr beträgt 10 US-Dollar pro Monat. 13 Jugendliche besuchen den Unterricht an der Oberstufe, verteilt in den drei Collèges «Georges Muller», «Quisqueya» und «Eurêka». Weitere 13 junge Frauen und Männer befinden sich in der «École secondaire», die sie während vier Schuljahren auf den Maturitätsabschluss vorbereitet, was ihnen ein Studium an einer Universität ermöglichen würde. Die Ausgaben für den Besuch einer Klasse an der Oberstufe (7.-9. Klasse) oder in der «École secondaire» belaufen sich auf 25-30 US-Dollar monatlich pro Kind.

Übersicht haitianisches Schulsystem

Kursiv: Verteilung der Kinder aus unserem Projekt auf die verschiedenen Klassen im Schuljahr 2025/2026

École fondamentale1ère année 
2ème 
3ème 1 Kind 
4ème  
5ème1 Kind 
6ème1 KindAbschlussprüfung
7ème3 Kinder 
8ème8 Kinder 
9ème2 KinderStaatliche Abschlussprüfung
École secondaire3ème3 Jugendliche 
seconde  4 Jugendliche 
Rheto      5 Jugendliche 
Philo        1 JugendlicherStaatliche Abiturprüfung

Interview mit Widaylie

Widaylie besucht momentan das zweite Jahr der «École secondaire» im Collège George Muller. Wenn es weiterhin nach Plan läuft, kann sie in zweieinhalb Jahren das Abitur abschliessen.

Kannst du ein wenig von dir erzählen? Wie alt bist du und wie ist deine Familie zusammengesetzt?
Ich heisse Widaylie. Ich bin 16 Jahre alt. Meine Mutter ist vor zwei Jahren verstorben. Deshalb lebe ich jetzt bei meinem Grossvater.

Wie würdest du das Leben in Ouanaminthe beschreiben?
Das Leben hier ist nicht so einfach. Ich bin trotzdem froh, hier in Ouanaminthe zu sein, weil ich mit meiner Familie zusammen bin.

Was sind die grössten Schwierigkeiten, denen du in deinem täglichen Leben begegnest?
Meine grössten Schwierigkeiten sind, dass ich oft zu spät in die Schule komme, weil ich kein Transportmittel habe. Ich gehe immer zu Fuss.

Mit wem lebst du zusammen?
Im Moment lebe ich mit meinen Brüdern, Cousins und meiner Tante bei meinem Grossvater. Meistens sind wir zu sechst, je nachdem wer da ist. Unser «Haus» hat vier Räume.

Was sind deine Lieblingsfächer?
Meine Lieblingsfächer sind Englisch, Physik, Chemie und Musik.

Welche Fächer magst du weniger?
Mathematik, Geologie und Biologie

Kannst du etwas über deinen Schulalltag erzählen?
Eigentlich mag ich meine Schule. Sie ist schön, gut und sauber. Ich stehe jeden Tag um 5 Uhr auf, um um 6 Uhr zur Schule zu gehen. Ich gehe zu Fuss. Mittags esse ich Nudeln und trinke Saft, aber nicht jeden Tag.

Wie sieht ein typischer Tag aus, wenn du nicht zur Schule gehst?
Wenn ich nicht zur Schule gehe, fühle ich mich nicht gut, weil ich meine Freunde vermisse. Morgens stehe ich auf, mache sauber, koche und wasche mich. Am Nachmittag lerne ich für die Schule und abends trinke ich eine heisse Schokolade.

Welche Aufgaben oder Verantwortlichkeiten hast du zu Hause?
Ich bin für das Kochen verantwortlich, wenn ich nicht zur Schule gehe.

Welche Schwierigkeiten hast du in der Schule oder beim Lernen?
Manchmal verstehe ich gewisse Fächer nicht.

Welchen Beruf möchtest du später erlernen?
Ich würde gerne Medizin studieren.

Was gefällt dir an deinem Land Haiti, und was magst du weniger?
In Haiti liebe ich unsere Kultur, unsere Tänze, unsere Gerichte, die wir kreolische Speisen nennen, und die haitianische Musik. Ich liebe unsere Hautfarbe.

Hast du ein Lieblingsgericht?
Mein Lieblingsgericht ist Reis mit Gemüse.

Was machst du in deiner Freizeit?
In meiner Freizeit höre ich Musik, lese, schlafe und schaue mich manchmal im Spiegel an.

Welche Aktivitäten der New Life Haiti Foundation gefallen dir am besten?
Ich mag das Sommercamp, Informatik und den Englischunterricht.

Was sind deine Stärken? Was sind deine Schwächen?
Meine grösste Stärke ist meine (verstorbene) Mutter. Meine Schwäche ist die Angst.

Was machen die Mitglieder deiner Familie, um etwas Geld zu verdienen?
Mein Vater kauft dominikanische Pesos, um sie weiterzuverkaufen.

Wie hat die finanzielle Situation deiner Familie dein Leben beeinflusst? Gibt es Dinge, die du gerne machen würdest, aber nicht kannst, weil das Geld fehlt?
Die finanzielle Situation meiner Familie beeinflusst mich so, dass ich sehr hart arbeiten muss, um Geld zu verdienen. Ich würde gerne einen Kurs in Kosmetik besuchen, aber ich habe nicht die Mittel dafür.

Wie beeinflusst die wirtschaftliche Situation in Haiti dich und deine Familie?
Die wirtschaftliche Situation in Haiti betrifft meine Familie sehr stark, weil meine Familienmitglieder keine guten Jobs finden können. Und selbst wenn jemand arbeitet, reicht es nicht für ein normales Leben.

Hast du Zugang zu medizinischer Versorgung, wenn du oder ein Familienmitglied krank wird?
Weder ich noch meine Familie haben Zugang zu medizinischer Versorgung. Man muss zuerst Geld haben, bevor man ins Krankenhaus gehen kann.

Was sind deine Träume für die Zukunft? Was möchtest du erreichen oder später werden?
Ich möchte Krankenschwester werden, eine gute Mutter sein und Kindern auf der Strasse helfen.

Gibt es etwas in deinem Leben, das du unbedingt ändern möchtest?
Ich möchte einfach die finanzielle Situation meiner Familie verbessern.

Wie stellst du dir dein Leben in fünf oder zehn Jahren vor?
Ich stelle mir vor, dass ich in 10 Jahren Mitglied von New Life Haiti Foundation sein werde, um anderen Kindern zu helfen.

Welche Unterstützung bräuchtest du, um deine Träume zu verwirklichen?
Ich brauche Unterstützung, um die Universität zu besuchen und um in ein anderes Land zu reisen, damit ich dort arbeiten kann.

Welche Rolle spielen deine Freunde oder Nachbarn in deinem Leben? Hast du Personen um dich, auf die du dich verlassen kannst?

Ich habe keine Freunde, ausser die Kinder von New Life Haiti Foundation.

Interview mit Jahooska

Jahooska besucht momentan das dritte Jahr der «École secondaire» im Collège Eurêka de Ouanaminthe. Wenn es weiterhin nach Plan läuft, kann er in eineinhalb Jahren das Abitur abschliessen.

Kannst du ein wenig von dir erzählen? Wie alt bist du und wie ist deine Familie zusammengesetzt?
Ich heisse Jahooska und bin 19 Jahre alt. Ich habe zwei Schwestern und zwei Brüder. Ich lebe bei meiner Mutter.

Wie würdest du das Leben in Ouanaminthe beschreiben?
In meiner Gemeinde ist das Leben ruhig und friedlich, aber nicht sehr einfach.

Was sind die grössten Schwierigkeiten, denen du in deinem täglichen Leben begegnest?
Dass meine Eltern getrennt sind und der Mangel an Geld, um meine Bedürfnisse zu decken, sind meine grössten Schwierigkeiten.

Mit wem lebst du zusammen?
Ich lebe mit meiner Mutter und meiner kleinen Schwester zusammen. Mein älterer Bruder konnte dank New Life Haiti Foundation eine Ausbildung zum Lastwagenfahrer machen. Er lebt mittlerweile in der Dominikanischen Republik. Wir wohnen in einem «Haus» mit drei Zimmern.

Was sind deine Lieblingsfächer?
Meine Lieblingsfächer sind Sozialwissenschaft, Naturwissenschaft, Biologie und Geologie.

Welche Fächer magst du weniger?
Das Fach, das ich am wenigsten mag, ist haitianische Literatur.

Kannst du etwas über deinen Schulalltag erzählen?
Meine Schule ist schön und sauber. Ich wache um 6 Uhr auf, um um 7 Uhr zur Schule zu gehen. Mittags esse ich Reis, manchmal Mais, und trinke Saft. Ich fahre mit dem Motorrad zur Schule.

Wie sieht ein typischer Tag aus, wenn du nicht zur Schule gehst?
Wenn ich nicht zur Schule gehe, fühle ich mich nicht glücklich, weil ich meine Freunde vermisse. Ich würde aber sagen, dass es trotzdem ein guter Tag ist. Am Morgen stehe ich auf, lerne für die Schule und höre Musik. Ich spiele Fussball und esse abends wieder Reis.

Welche Aufgaben oder Verantwortlichkeiten hast du zu Hause?
Ich bin im Haus für das Putzen verantwortlich.

Wie kommst du an Trinkwasser und Essen?
Dank meiner Eltern ist es für mich nicht schwer, Zugang zu Trinkwasser und Essen zu finden.

Welche Schwierigkeiten hast du in der Schule oder beim Lernen?
Ich habe keinerlei Schwierigkeiten in der Schule.

Welchen Beruf möchtest du später erlernen?
Ich würde gerne Augenarzt werden.

Was gefällt dir an deinem Land Haiti, und was magst du weniger?
In Haiti liebe ich die Strände, die haitianische Musik, die Tänze, das Essen und auch die Geschichte Haitis. Was ich weniger mag sind die Demonstrationen, Gewalt, Stromausfälle und den Mangel an Arbeit.

Was machst du in deiner Freizeit?
In meiner Freizeit höre ich Musik, lese und schaue Videos.

Welche Aktivitäten der New Life Haiti Foundation gefallen dir am besten?
Die Aktivität, die ich am meisten liebe, ist das Sommercamp, das ich für nichts auf der Welt verpassen möchte.

Was sind deine Stärken? Was sind deine Schwächen?
Meine Stärke ist es, jeden Tag meine Familie und meine Freunde zu sehen. Meine Schwäche ist es, wenn ich jemanden weinen sehe.

Was machen die Mitglieder deiner Familie, um etwas Geld zu verdienen?
Meine Mutter ist eine Händlerin. Sie kauft und verkauft allerlei Waren.

Wie hat die finanzielle Situation deiner Familie dein Leben beeinflusst? Gibt es Dinge, die du gerne machen würdest, aber nicht kannst, weil das Geld fehlt?
Die finanzielle Situation meiner Familie beeinflusst mich stark. Ich will später hart und entschlossen arbeiten, um das Leben meiner Mutter zu verbessern.

Wie beeinflusst die wirtschaftliche Situation in Haiti dich und deine Familie?
Die wirtschaftliche Lage Haitis betrifft mich sehr, weil die Menschen arbeiten, aber kaum etwas verdienen. Deshalb kann meine Mutter nicht wirklich für unsere Bedürfnisse sorgen.

Hast du Zugang zu medizinischer Versorgung, wenn du oder ein Familienmitglied krank wird?
Nein, wir haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Was sind deine Träume für die Zukunft? Was möchtest du erreichen oder später werden?
Mein Traum ist es Augenarzt oder Psychologe zu werden.

Gibt es etwas in deinem Leben, das du unbedingt ändern möchtest?
Ich möchte die Armut loswerden.

Wie stellst du dir dein Leben in fünf oder zehn Jahren vor?
Ich stelle mir vor, dass ich in meinem Leben eine Führungsperson für meine Familie und mein Land werde.

Welche Unterstützung bräuchtest du, um deine Träume zu verwirklichen?
Ich brauche finanzielle Unterstützung.

Welche Rolle spielen deine Freunde oder Nachbarn in deinem Leben? Hast du Personen um dich, auf die du dich verlassen kannst?

Ja, ich habe Menschen, auf die ich zählen kann, wie Mr. Endriche Previlon und einige Freunde.

AKTIVITÄTEN IN UNSEREM LOKAL

Vom 11. bis 15. August 2025 fand in unserem Lokal das alljährliche Sommercamp statt. Wie Jahooska im Interview erzählte, möchte er dieses Ereignis um nichts in der Welt verpassen. Offenbar geht es vielen Kindern ähnlich, denn alle waren anwesend – sogar einige ihrer Geschwisterkinder –, sodass unser Lokal gut gefüllt war. Alle zwei Jahre erhalten alle ein neues T-Shirt für die Woche. Dieses Jahr wurden die Kinder mit grünen und die Volontäre mit blauen T-Shirts ausgestattet. Es fällt auf, wie sehr sich die Kinder und Jugendlichen für das Sommercamp herausputzen. Viele erscheinen in Sonntagsschuhen, mit sorgfältig frisierten Haaren und liebevoll ausgewählten Accessoires.

Zahlreiche Volontäre stellten sich auch dieses Jahr wieder zur Verfügung. Marckenson zum Beispiel hat bisher noch kein einziges Sommercamp verpasst und nahm 2025 bereits zum zehnten Mal teil. Zudem hat er ein New-Life-Haiti-Lied komponiert, das er jeweils mit grosser Leidenschaft mit den Kindern singt.

Die Woche war gefüllt mit vielfältigen Aktivitäten: Es wurde gemalt, gebastelt, Englisch gelernt und gespielt. Neu gab es in diesem Jahr einen kleinen Einführungskurs in die Fotografie. Am letzten Tag fand ein Quiz statt, bei dem das Allgemeinwissen getestet wurde. Die Kinder sammelten Punkte, und am Ende wurden die Siegerinnen und Sieger gekürt.

Damit niemand hungrig in den Tag starten musste, erhielten alle Kinder nach dem Eintreffen einige Biscuits und etwas Saft. Ein weiteres Highlight war wie jedes Jahr das frisch zubereitete Mittagessen. Gemeinsam assen alle ein Gericht aus Reis, Gemüse und Fleisch.

Am Nachmittag besuchten unsere Volontäre die Familien zu Hause. Durch die persönlichen Gespräche entsteht Jahr für Jahr ein differenziertes Bild davon, wie es den Familien geht. Für viele Kinder ist es ein besonderes Zeichen der Wertschätzung, dass jemand ihr Zuhause und ihre Lebensumstände kennenlernen möchte.

Die Erlebnisse und Begegnungen dieser Woche ermutigen uns, das Sommercamp auch in Zukunft weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Gemeinsam schaffen wir einen Ort, an dem Kinder lernen, wachsen und wertvolle Erinnerungen sammeln können.

In unserem Lokal findet weiterhin zweimal wöchentlich ein Informatikunterricht für interessierte Kinder statt. Dabei lernen sie den Umgang mit dem Laptop und den gängigen Office-Programmen. Viele Kinder und Jugendliche kommen zudem spontan vorbei, um Musikvideos auf YouTube anzusehen oder die Laptops für Hausaufgaben zu nutzen.

Auch der Online-Unterricht mit Jameson findet weiterhin am Montag- und Freitagnachmittag statt. Er unterrichtet die interessierten Kinder in Englisch und Französisch.

Viele Kinder und Eltern wenden sich an Endriche, wenn sie ein Problem haben oder Unterstützung benötigen. So hatte ein Mädchen Ohrenschmerzen, woraufhin Endriche der Mutter etwas Geld gab, um einen Arzt zu konsultieren. Ein Junge verletzte sich an der Schulter, weil die Decke in seinem Zimmer eingestürzt war. Ein anderes Mädchen litt an Zahnschmerzen und musste zum Zahnarzt, wieder ein anderes benötigte Medikamente wegen Bauchschmerzen. Endriche sorgt stets dafür, dass die Kinder in solchen Situationen medizinisch versorgt werden können.

SPENDENEINNAHMEN

Wir dürfen uns – wie schon seit vielen Jahren – auf die treue Unterstützung so vieler Spenderinnen und Spender verlassen. Dafür möchten wir von Herzen danken. Es ist für uns keine Selbstverständlichkeit, dass uns Menschen ihr Vertrauen schenken und unsere Arbeit mittragen. Wir schätzen das sehr. Auch unsere Verantwortlichen vor Ort und die Kinder aus unserem Projekt senden ein grosses und herzliches «mèsi anpil».

Die Theatergruppe der Primarstufe Unterseen hat im Februar das Stück «Das doppelte Lottchen» aufgeführt. Einmal mehr wurde ein grosser Teil der Kollekte unserem Projekt gewidmet – ein wunderschönes Zeichen der Verbundenheit, das uns sehr freut.

In diesem Jahr durften wir zudem grosszügige Unterstützung von den Kirchgemeinden Münsingen und Zweisimmen entgegennehmen. Für diese wertvolle Hilfe möchten wir beiden Gemeinden besonders danken. Ihre Beiträge tragen wesentlich dazu bei, unsere Arbeit nachhaltig weiterzuführen.

Am 13. Dezember 2025 waren wir wieder mit einem Stand an der Weihnachtsstimmung in Zweisimmen vertreten. Mit Glühwein, hausgemachtem Punsch, Linzertorte und Croque Monsieur sorgten wir für warme Momente. Der Anlass begann dieses Jahr drei Stunden früher – und unser zusätzlicher Einsatz hat sich gelohnt: Wir durften uns über die höchsten Einnahmen freuen, die wir bei diesem Anlass je erzielen konnten.

Der Jahresbericht wurde geschrieben von Karin Stucki (Präsidentin New Life Haiti Foundation)